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Psychologie im Risikomanagement: Warum der Sunk-Cost-Effekt Innovation verhindert 

Irrationale Entscheidungen im digitalen Kontext 

Ob in Behörden oder Unternehmen: Entscheidungen rund um Softwarebeschaffung, Digitalisierung oder Prozessanpassung folgen nicht immer rein sachlichen Kriterien. Eine typische Situation: 

Eine eingeführte Software erfüllt nicht (mehr) die Anforderungen – doch ein Systemwechsel wird trotzdem abgelehnt. 

Hinter diesem Verhalten steckt oft kein Mangel an Fachwissen oder Technologieoffenheit, sondern ein psychologisches Phänomen: der Sunk-Cost-Effekt

 

Was ist der Sunk-Cost-Effekt? 

Der Begriff stammt aus der Verhaltensökonomie. Er beschreibt die Tendenz, an getroffenen Entscheidungen festzuhalten, nur weil bereits Geld, Zeit oder andere Ressourcen investiert wurden – auch dann, wenn sich herausstellt, dass eine Kurskorrektur sinnvoll wäre. 

Die Sunk-Cost-Fallacy (übersetzt: Trugschluss versunkener Kosten) führt dazu, dass Menschen oder Organisationen: 

  • objektive Bewertungen ausblenden, 

  • potenzielle Alternativen ignorieren, 

  • und letztlich an ineffizienten Lösungen festhalten. 

 

Ein Fallbeispiel aus der Praxis 

Ein Landkreis führt ein System zur Einsatzführung und Stabsarbeit ein. Planung, Schulungen und Lizenzkosten wurden finanziell und organisatorisch gestemmt. Doch bald zeigt sich: 

  • Die Software ist nicht offlinefähig. 

  • Die Schnittstellen zu anderen Systemen fehlen. 

  • Die Bedienung ist umständlich. 

  • Die Akzeptanz im Fachbereich ist gering. 

Trotz besserer Alternativen wird an der bestehenden Lösung festgehalten – aus einem einzigen Grund: 

„Wir haben bereits so viel investiert.“ 

 

Die tatsächlichen Kosten des Festhaltens 

Was auf den ersten Blick wie Haushaltsdisziplin wirkt, kann langfristig zu höheren Belastungen führen: 

  1. Effizienzverluste: Prozesse dauern länger, Fehlerquoten steigen, Redundanzen entstehen. 

  2. Unzufriedenheit: Eine geringe Nutzerfreundlichkeit wirkt sich negativ auf die Arbeitszufriedenheit und Motivation aus. 

  3. Digitalisierungsblockaden: Veraltete Software behindert Vernetzung, Erweiterbarkeit und Integration mit modernen Systemen. 

 

Die Logik hinter einem Wechsel 

Ein Systemwechsel verursacht Umstellungskosten – das ist unbestritten. Doch langfristig überwiegen in vielen Fällen die Vorteile: 

  • Produktivitätsgewinne durch modernere, intuitivere Systeme 

  • Höhere Benutzerakzeptanz durch bessere Usability 

  • Zukunftssicherheit durch Schnittstellen, Offlinefähigkeit, Updatefähigkeit 

Ein gutes System passt sich dem Bedarf an – nicht umgekehrt. 

 

Was lässt sich daraus lernen? 

Vergangene Investitionen dürfen keine Leitplanke für zukünftige Entscheidungen sein. 

Der Fokus sollte auf der Frage liegen:
Was braucht unsere Organisation heute – und morgen? 

Tools im Bereich Krisenmanagement, Stabsarbeit oder Einsatzführung müssen nicht nur aktuelle Anforderungen erfüllen, sondern auch mit zukünftigen Entwicklungen Schritt halten. Wer zu lange wartet, verliert Anschlussfähigkeit – technologisch wie organisatorisch. 

 

Fazit 

Der Sunk-Cost-Effekt ist ein nachvollziehbarer, aber gefährlicher Denkfehler im Risikomanagement. Gerade in digitalen Transformationsprozessen braucht es Mut zur Kurskorrektur – und die Bereitschaft, Entscheidungen an zukünftigen Zielen statt an vergangenen Kosten auszurichten. 

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